Warum Prämienflüge nicht kostenlos sind

Treibstoffzuschläge

Früher gab es für mit Meilen bezahlte Flüge das Wort Freiflüge. Das ist allerdings irreführend, denn die Flüge – Prämienflug ist das bessere Wort – sind nicht kostenlos. Ihr müsst nämlich neben den staatlichen Steuern und Gebühren bei vielen Airlines auch noch einen so genannten „Treibstoffzuschlag“ zahlen. Was es damit auf sich hat und wie ihr ihn vermeiden könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Die schlechte Nachricht vorweg: Fast alle der großen bekannten europäischen Airlines erheben relativ happige „Treibstoffzuschläge“, richtiger eigentlich: Carrier imposed surcharges. Sei es Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss, KLM, Air France oder British Airways; bei allen sind die Zuzahlungen zu einem Prämienflug relativ hoch.

Was sind Treibstoffzuschläge?

Wie gesagt, der Name „Treibstoffzuschlag“ könnte gerade in Zeiten der Klimakrise suggerieren, dass hier eine staatliche Abgabe erhoben wird, die von der Airline an den Staat abgeführt werden muss. Das ist aber tatsächlich nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich beim „Treibstoffzuschlag“ um einen Preisbestandteil, der bei der Airline verbleibt.

Eigentlich würde man vermuten, dass bei einem Prämienticket, das man schließlich schon mit seinen Meilen bezahlt hat, nur noch die Abgaben und Gebühren zusätzlich erhoben werden, die aufgrund von Steuern oder anderen Abgaben an Dritte bei der Airline anfallen. Ein gutes Beispiel dafür sind die Flughafengebühren, die regelmäßig anfallen und auf die die Airlines auch keinen Einfluss haben. Ein anderes Beispiel für Deutschland ist die Luftverkehrsabgabe, eine Art Steuer, die ebenfalls nicht umgangen werden kann.

Dass sich allerdings Airlines oder deren Vielfliegerprogramme neben den Prämienmeilen noch einen Deckungsbeitrag in frei festgelegter Höhe in die Tasche stecken, ist eigentlich nicht im Sinne des Erfinders. Prämientickets sind also keine Freiflüge sondern reduzierte Tickets, bei denen ein Preisbestandteil mit Meilen bezahlt wird.

Wie kann ich Carrier Imposed Surcharges vermeiden?

Das führt uns zu der Frage, wie man denn diese Airline- Zuschläge vermeiden kann, um einen wirklichen Gegenwert für seine Meilen zu bekommen. Es gibt dazu drei Möglichkeiten:

  • Fliegt mit Airlines, die keine oder geringe Airline- Zuschläge erheben
  • Sammelt eure Meilen bei Vielfliegerprogrammen, die Airline- Zuschläge nicht weitergeben
  • Fliegt ab einem Land, das solche Airline- Zuschläge gesetzlich verbietet.

Wer bei Miles&More seine Meilen sammelt, was in Deutschland Sinn macht, weil hier die meisten Möglichkeiten bestehen, schnell Meilen zu generieren, der hat es schwer, denn die Airlines der Lufthansa- Gruppe erheben mittlerweile alle die Airline- Zuschläge und Miles&More gibt sie weiter an die Kunden. Bis Anfang 2020 war Eurowings noch von diesen Zuschlägen ausgenommen, doch seither werden hier die gleichen Zuschläge erhoben, die sich für einen Langstreckenflug (return) in der Regel auf über 400 Euro belaufen. Bei diesen Preisen machen Einlösungen in der Economy Class natürlich keinen Sinn, denn für über 400 Euro bekommt man zu vielen Langstreckenzielen fast schon ein reguläres Ticket. Warum soll man dann noch 60.000 oder 80.000 Meilen zusätzlich für solch einen Prämienflug verbrennen?

Länder, die Airline- Zuschläge verbieten

Schauen wir uns an einem Beispiel mal an, wie sich Airline- Zuschläge entwickeln, wenn man den Abflugort verändert. Wir nehmen dazu einen Lufthansa Flug von Frankfurt nach Tokio und zurück mit Abflug aus Japan.

Bei dem Flug ab Frankfurt über Miles&More gebucht werden 314,97 Euro an Steuern, Gebühren und Airline- Zuschlägen für den Flug mit Lufthansa fällig. Bei der ITA- Matrix könntet ihr euch genau aufschlüsseln lassen, wie sich diese genau zusammensetzen. Hier kommt es uns aber nur auf die Größenordnung an.

Prämienflug FRA-HND

In entgegengesetzter Richtung verringern sich die Steuern, Gebühren und Airline- Zuschläge auf wundersame Weise um mehr als die Hälfte.

Prämienflug HND-FRA mit Lufthansa
Prämienflug HND-FRA mit Lufthansa

Die 14.210 Japanischen Yen entsprechen ungefähr 117 Euro. Möglicherweise sind die Flughafensteuern in Japan ein bisschen niedriger als in Frankfurt, doch der Hauptunterschied liegt darin, dass Japan die Airline- Zuschläge gesetzlich begrenzt hat. Andere Länder, die die Erhebung von diesen Airline- Zuschlägen verbieten oder begrenzen, sind z.B. Brasilien, Hongkong, die Philippinen, Neuseeland oder Australien. Wenn ihr aus einem dieser Länder abfliegt, habt ihr also signifikant niedrigere Zuschläge auf euren Prämienflug.

Wenn ihr eure Meilen also bei Miles&More habt und es auch unbedingt die Lufthansa Business Class sein soll, dann solltet ihr schauen, ob ihr den Abflugort verändern könnt, um Airline- Zuschläge zu sparen.

Airlines, die keine Airline- Zuschläge erheben

Eine weitere Möglichkeit innerhalb des Miles&More Programms Airline- Zuschläge zu vermeiden, ist es, nach Prämienflügen mit Star Alliance Partnern zu suchen. Schauen wir uns dazu zwei Flüge von FRA nach SIN an.

Prämienflug FRA-SIN
Prämienflug FRA-SIN

Ich habe auf die Schnelle keine Business Class Verfügbarkeiten gefunden, die so perfekt für einen Screenshot angeordnet waren. Deshalb hier Economy Flüge als Beispiel, die ich natürlich nie buchen würde, weil ich für meine Meilen schließlich was Besonderes haben will.

Während Lufthansa wieder ordentlich hinlangt und 275 Euro an Zuschlägen haben möchte, sind es bei Singapore Airlines nur 85 Euro. Es gibt also nicht nur Länder, die Airline- Zuschläge begrenzen oder verbieten sondern auch Airlines, die auf diese Art von Doppelzahlung verzichten. Meine Lieblings- Airline Singapore Airlines gehört zum Glück dazu; auch bei THAI sind die Zuschläge meist gering.

Die Airlines, die keine Airline- Zuschläge nehmen, kann man an zwei Händen abzählen und von Singapore Airlines abgesehen, handelt es sich eher um die „zweite Reihe“ bei den großen Allianzen:

  • Avianca
  • Singapore Airlines
  • Air New Zealand
  • Copa Airlines
  • LATAM
  • United
  • Air Canada

Die letzten beiden erheben aber im Rahmen von Joint Ventures teils unanständige Airline- Zuschläge auf den Transatlantik- Strecken, die für uns natürlich am interessantesten sind. Dass Air New Zealand keine Airline – Zuschläge erhebt, ist hochanständig, bringt uns aber nichts, weil es von ANZ so gut wie nie Prämienverfügbarkeiten gibt.

Immerhin gibt es aber ein breites Mittelfeld an Airlines, die nur geringe oder akzeptable Zuschläge erheben. Dazu gehören vor allem asiatische Airlines wie THAI, JAL, ANA, Cathay Pacific oder EVA.

Vielfliegerprogramme, die keine Zuschläge weitergeben

Die letzte Chance, Airline- Zuschläge zu vermeiden, sind Vielfliegerprogramme, die diese Zuschläge nicht an die Kunden weitergeben. Die ernüchternde Wahrheit ist, dass man diese Programme an den Fingern einer Hand abzählen kann. Dummerweise ist auch keines dieser Programme Transferpartner von American Express in Deutschland. Dafür verkaufen die meisten regelmäßig Meilen mit Bonus im Rahmen von Sales. Hier ist die exklusive Liste der vier Vielfliegerprogramme, die keine Treibstoff- bzw. Airline- Zuschläge weitergeben:

  • American Airlines AAdvantage
  • United Mileage Plus
  • Avianca Lifemiles
  • Alaska Airlines Mileage Plan

Die letzten beiden sind besonders interessant, weil sie auch noch einen interessanten Awardchart haben. Hier könnt ihr also Flüge teils mit erstaunlich wenig Meilen buchen und müsst dazu auch keine Airline- Zuschläge bezahlen. Beide Programme verkaufen ihre Meilen dazu noch regelmäßig mit ordentlichem Bonus, so dass man hier echte Schnäppchen machen kann.

Schauen wir uns mal einen First Class Flug mit Lufthansa von München nach Boston an. Einmal im Leben Lufthansa First Class muss man ja mal gemacht haben. Schauen wir uns zunächst an, was uns Miles&More anbietet.

Prämienflug LH nach Boston in First
Prämienflug LH nach Boston in First

Zu den 91.000 Meilen kommen noch 310,79 Euro Steuern und Zuschläge dazu.

Wenn wir den gleichen Flug beim Star Alliance Mitglied Avianca buchen wollen, finden wir folgendes:

Liefemiles Prämienflug LH First nach Boston
Liefemiles Prämienflug LH First nach Boston

Der Flug erfordert nicht nur 8000 Meilen weniger sondern auch ziemlich genau 200 Euro weniger an Zuzahlungen. Lifemiles berechnet also keine Airline- Zuschläge, obwohl Lufthansa sie erhebt und dies in Deutschland auch zulässig ist. Finde ich gut.

Warum Prämienflüge nicht kostenlos sind: Fazit

Die Mehrzahl der Airlines sowie der Vielfliegerprogramme erhebt Airline- Zuschläge bzw. gibt diese weiter. Doch es gibt Möglichkeiten, den Schaden zu minimieren, indem man seine Lieblings- Airline mit Abflug in einem anderen Land wählt oder bei einem der wenigen Programme bucht, die Airline- Zuschläge nicht weitergibt.

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Wer schreibt denn hier?

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Kai ist jahrelang als Backpacker um die Welt gereist, bis er gemerkt hat, dass man für wenig Geld auch recht luxuriös reisen kann. Auf Loungerocker.de teilt er seine Lounge- und Reise- Erlebnisse mit euch und zeigt euch Wege, wie auch ihr mit wenig Aufwand viel bequemer reisen könnt.

 

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