Flying Blue- Die Sweetspots

Flying Blue ist das Vielfliegerprogramm von acht Airlines. Die wichtigsten sind natürlich Air France und der Namensgeber KLM. Dazu kommen noch Aircalin, Hop!, Joon, Kenyan Airways, Transavia und Tarom. Da Air France/KLM Mitglied bei der Skyteam- Allianz sind, können entsprechend auch Flüge der Skyteam Member sowie weiterer Partner wie Japan Airlines über Flying Blue gebucht werden.

Anders als bei fast allen anderen Vielfliegerprogrammen gibt es bei Flying Blue keinen festen Award Chart, nach dem man die benötigten Meilen für einen bestimmten Prämienflug berechnen könnte sondern ein dynamisches System. Wie bei einer normalen Flugbuchung hängt der Preis eines Prämienfluges also von Faktoren wie Verfügbarkeit, Saisonabhängigkeit, Zeitpunkt der Buchung usw. ab. Das macht es natürlich extrem schwer, Allgemeingültiges über die Prämieneinlösungen bei Flying Blue zu sagen.

Darüber hinaus nimmt ein dynamisches Preissystem auch viel von der Attraktivität von Prämieneinlösungen, die ja gerade in ihrer Unabhängigkeit von den tagesaktuellen Preisen besteht.

Möglicherweise war die Umstellung im Frühjahr 2018 auch eine Reaktion auf die größer werdende Zahl von Websites, die sich auf das Aufspüren von Anomalitäten im Award Chart von Vielfliegerprogrammen spezialisiert und solche Sweetspots dann einem interessierten Vielflieger- Publikum bekannt gemacht haben, so dass plötzlich alle Welt Lufthansa First Class nach Dubai geflogen ist…

Flying Blue KLM
Flying Blue KLM

Treibstoffzuschläge bei Flying Blue

Wie andere Vielfliegerprogramme wie Miles and More oder der British Airways Executive Club gibt auch Flying Blue Treibstoffzuschläge leider an die Kunden weiter. Das bedeutet, dass die Zuschläge airline-abhängig sind. Für Air France und KLM sind diese am höchsten und können 150 bis 200 Euro betragen.

Obwohl Treibstoffzuschläge erhoben werden, können Einlösungen selbst in der Economy bei Flying Blue mitunter Sinn ergeben, weil die Zonen, die es seit Einführung des dynamischen Systems eigentlich nicht mehr gibt, relativ großzügig geschnitten sind. Die Einteilung orientiert sich großteils noch am alten Flying Blue Award Chart, nach dem nordafrikanische Länder noch ebenso zu Europa zählten wie Teile Russlands oder auch Israel. Flüge in diese Länder können daher auch in dem neuen System eine sehr gute Prämieneinlösung darstellen.

Probleme des dynamischen Prämiensystems

Business Class Flüge (oder gar First Class Flüge), die bei fast allen anderen Vielfliegerprogrammen immer die beste Art ist, seine Meilen in einen Prämienflug zu investieren, sind dagegen bei Flying Blue nur im Ausnahmefall eine gute Einlösung, da die Meilenpreise hierfür in der Regel zu hoch sind.

Zahlt man bei anderen Programmen ungefähr das Doppelte der Meilenanzahl für einen Economy- Flug für einen Trip in der Business Klasse, ist der Faktor bei Flying Blue 2,5 bis 3fach. Da kein Vielfliegerprogramm eine Strecke exklusiv fliegt, macht es schlicht keinen Sinn, 90.000 Meilen für einen Prämienflug in C von Europa nach Bangkok zu zahlen, wenn ich diesen auch für 60.000 Meilen bekommen kann.

Insbesondere wenn man seine Flying Blue Meilen vor allem durch Umwandlung von American Express Membership Rewards Punkten generiert, ist man viel besser beraten, diese für Business Class Flüge bei anderen Transferpartnern von AMEX einzulösen.

Bei der Recherche für diesen Artikel habe ich bei KLM einfach eine ganze Reihe von Probebuchungen durchgeführt um zu sehen, wie viel Flüge zu meinen Lieblings- Destinationen so durchschnittlich kosten würden und wie weit der Spread ist.

Ein besonders krasses Beispiel ist mir bei der Suche von Prämienflügen von Europa nach Neuseeland in der Business Class untergekommen. Dort werden an einigen Daten über eine halbe Million Bonusmeilen für einen Oneway- Flug aufgerufen. Mal im Ernst: Für eine halbe Million Punkte kann ich bei einigen Bonusprogrammen anderthalb Mal in der First Class um die Welt fliegen (dazu noch bei sehr viel niedrigeren Zuzahlungen).

Was ich damit sagen will: Ein Programm, das einem die Möglichkeit nimmt, den Wert der eigenen Meilen verlässlich in ein Verhältnis zu setzen, setzt die Loyalität seiner vielfliegenden Kundschaft aufs Spiel.

Flying Blue- Die Sweetspots

Nun aber doch noch ein paar Tipps, wie man seine Meilen sinnvoll loswerden kann.

Wie schon erwähnt, sind Economy- Flüge an Europas Randbereiche oft eine gute Wahl. Nach Moskau z.B. habe ich vereinzelt Verfügbarkeiten für 9000 Meilen (oneway, eco) gefunden. Die Zuzahlung ist mit 61,70 Euro auch durchaus moderat.

Angenehmer Weise kann man sich zumindest eine Monatsübersicht anzeigen lassen und muss nicht tageweise nach dem günstigsten Prämienflug suchen.

 

Prämienflüge nach Moskau
Moskau

 

Auch Flüge nach Casablanca (Marokko) sind mit 10.000 Meilen und 50,35 Euro Zuzahlung eine durchaus attraktive Einlösung. Ähnliche Preise sind bei anderen Zielen in Nordafrika zu erzielen.

 

Ähnliche Preise lassen sich beispielsweise auch für Flüge nach Athen, Tel Aviv oder Istanbul erzielen. Die Preise für Business Class sind auch auf der Kurz- und Mittelstrecke nicht konkurrenzfähig, aber ich persönlich halte von der C- Klasse auf diesen Strecken ohnehin nichts, da dem höheren Preis kein echter Zugewinn an Komfort entgegensteht.

Flüge in die Überseegebiete

Flüge auf die niederländischen Antillen in der Karibik (vor allem Curacao) oder zu den französischen Überseegebieten im Indischen Ozean, wie La Reunion / Mauritius sind durchaus attraktive Ziele, die auch in Zeiten harten Wettbewerbs im Luftraum nicht unbedingt verramscht werden. So ist Curacao immerhin satte neun Flugstunden von Europa entfernt; trotzdem kostet der Prämienflug in der Economy mit 22500 Meilen nicht die Welt.  Auch die Zuzahlung ist mit 86,11 Euro moderat. Zudem sind die niederländischen Antillen häufig bei den Promo Awards vertreten, wo es noch mal 25 bzw 50% Rabatt geben kann.

In der Business Class kostet der Prämienflug nach Curacao mit über 60000 Meilen knapp drei Mal so viel wie der Economy Award. Das ist immer noch okay, aber jedenfalls kein Knaller mehr.

 

Nach Mauritius geht es ab 27000 Meilen in der Economy. Dazu kommen 134,46 Euro an Steuern und Gebühren.

 

Ein Beispiel für eher unsinnige Einlösungen sind viele Flüge in die USA. Nach Los Angeles geht es z.B. für ab 22500 Meilen in der Economy. Das ist zwar sogar günstiger als bei Miles and More, wo man für den Economy Flug 30000 Meilen zahlt. Doch die hohen Zuzahlungen machen einen Economy- Prämienflug auf der Strecke unsinnig, weil es auf der Strecke immer wieder sehr günstige Flüge zu kaufen gibt, die nur wenig mehr kosten als die Zuzahlung bei Flying Blue (oder natürlich auch bei Miles and More).

Während bei Miles and More die Strecke in der Business Class mit 52000 Meilen dann aber schon wieder durchaus interessant und wettbewerbsfähig ist, kostet der Prämienflug in der Business Class bei Flying Blue sogar mindestens satte 72000 Meilen, meistens sogar 93000 Meilen und in der Spitze sogar bis zu 250000 Meilen. Das ist natürlich absurd.

 

Flying Blue Promo Awards

Ähnlich wie bei Miles and More gibt es auch bei Flying Blue monatlich wechselnde Meilenschnäppchen, die hier allerdings Promo Awards heißen. Das Prinzip ist ähnlich dem bei M&M. Für einen Monat gibt es bis zu 50% Nachlass für ausgewählte Ziele, wenn man zwei Monate im Voraus bucht. Die Promo Awards müssen immer return gebucht werden und können nicht storniert werden.

Für Kurzstreckenflüge in der Economy ist der Rabatt meist auf 20% begrenzt. 50% gibt es zumeist für Premium Economy oder Business Class- Flüge auf der Langstrecke.

Da auch für die Promo Awards das dynamische Preissystem gilt, haben diese auch das gleiche Problem der mangelnden Verlässlichkeit. Wenn man aber ein bisschen flexibel bei der Planung ist, sind Promo Awards natürlich durchaus lohnenswerte Einlösungen. Es ist aber schon eine ganze Weile her, dass ich bei Durchsicht der Promo Awards mal ein echtes WOW hatte.

 

Prämienflüge mit Delta Airlines

Da über Flying Blue auch Prämienflüge für andere Skyteam- Airlines online buchbar sind, lohnt sich ein Blick vor allem auf Delta Airlines,  denn Delta erhebt keine Treibstoffzuschläge und die Zuzahlungen für inneramerikanische Flüge sind mit ca. 10 Euro erfreulich gering.

Auch hier sind die Preise dynamisch, doch scheint es im Streckennetz von Delta relativ konstant Flüge für 15.000 bis 20000 Meilen innerhalb Amerikas zu geben (eco, oneway). Das bewegt sich im Rahmen dessen, was andere Vielfliegerprogramme nehmen.

Mit seinen sieben Hubs in den USA verbindet Delta einen dazu nahezu mit jeder Gießkanne; mit einer Umsteigeverbindung kommt man also an so ziemlich jeden Ort in den Vereinigten

Wer aus den USA weiter in die Karibik fliegen will, wird ebenfalls bei Delta attraktive Angebote zu allen möglichen Inseln finden, die kaum mehr kosten als ein US- Inlandsflug. Von Deltas großem Hub in Atlanta geht es in der Karibik z.B. nach Antigua, Barbados, Grenada, Jamaica, Bahamas, Aruba, Haiti oder in die Domrep. Mit Glück und etwas Flexibilität findet man Flüge ab 15000 Meilen.

Auch die beliebten Flüge vom amerikanischen Festland nach Hawaii sind mit Delta recht günstig. Theoretisch spielt es auch keine Rolle, ob man von der Westküste (LA) nach Honululu fliegt oder ab New York etwa die doppelte Flugzeit hat. Die Flüge sind ab 17500 Meilen und ebenfalls mit minimalen Zuzahlungen zu bekommen- wenn man denn entsprechende Verfügbarkeiten zu den Preisen findet.

Fazit zu Flying Blue

Als es noch einen zonenbasierten Awardchart für Flying Blue gab, waren ein paar echte Jubelflüge mit KLM, Air France & Co möglich. Mit dem dynamischen Preissystem und vor allem den deutlich verteuerten Business Class- Flügen, machen Einlösungen bei Flying Blue allerdings nur noch bei ausgewählten Strecken in die Randbereiche Europas oder inneramerikanisch mit Delta wirklich Sinn – und das in der Regel auch nur in der Economy.

Ausnahmen können sich im Rahmen der Promo Awards ergeben, wenn ein attraktives Langstreckenziel mit einem 50% Bonus für die Businessklasse daherkommt.

Obwohl KLM in Europa zu meinen Lieblings- Airlines zählt, werde ich wohl kaum mehr in Versuchung kommen, AMEX- Punkte zu Flying Blue zu transferieren. Dazu sind andere Transferpartner von American Express einfach zu gut.