Prämienflug Verfügbarkeiten – warum gibt es so wenige?

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Meilen einlösen
Lufthansa First Class

Wer im Moment versucht, seine Meilen für einen Prämienflug einzulösen, der wird das Problem kennen. Es gibt aktuell gerade für beliebte Airlines in der Business oder gar First Class kaum Prämienflug Verfügbarkeiten. Mittlerweise deutet sich an, dass hinter dem Problem mehr steckt als nur die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Wo sind die Verfügbarkeiten – eine Spurensuche.

Prämienflug Verfügbarkeiten – worum geht es?

Meilen sammeln ist nach wie vor ungemein populär – und das nicht nur in Deutschland. Nie war es zudem so leicht, relativ schnell ausreichend Prämienmeilen für einen Prämienflug in der Business oder First Class zusammen zu bekommen. In Deutschland sind neben Miles and More und der Möglichkeit, mit Payback Punkten beim täglichen Einkauf Miles and More Meilen zu sammeln, noch die AMEX Kreditkarten ungemein populär geworden. Mit ihnen habt ihr über Miles and More hinaus den Zugang zu einem Dutzend weiterer Vielfliegerprogramme. So könnt ihr im Ergebnis Meilenflüge mit den besten Airlines der Welt buchen – theoretisch jedenfalls.

Das Problem im Meilen- Business ist nämlich schon lange nicht mehr, die Meilen zu sammeln. Das Problem besteht vielmehr darin, passende Verfügbarkeiten für die Einlösung der Meilen zu finden. Dazu müsst ihr wissen, dass man mit den Meilen nur ein bestimmtes Kontingent an Plätzen buchen kann. Ihr habt also nicht Zugriff auf sämtliche verfügbaren Sitze im Flugzeug sondern nur auf eine sehr geringe Menge. Insbesondere in den Premium Kabinen steht immer nur eine geringe Anzahl von Plätzen für Meilenbuchungen zur Verfügung.

So werden für First Class Flüge in der Regel ein oder maximal zwei Plätze freigegeben. Für Business Class Flüge beträgt das Kontingent abhängig von der Buchungslage zwei bis vier Plätze. Kontingente werden dabei sukzessive freigegeben. Ist ein Flug zwei Wochen vor Abflug immer noch schlecht gebucht, kann es auch noch mal Last Minute Verfügbarkeiten geben.

Um diese geringe Zahl an Plätzen konkurriert ihr mit euren Meilen mit Meilensammlern von überall auf der Welt. Ein Business Class Flug von Frankfurt nach New York ist nämlich nicht nur für deutsche Meilensammler interessant sondern auch für amerikanische. Potentiell ist jeder freie Platz interessant für jeden, der sich Meilen verschaffen kann, mit denen dieser Flug zu buchen ist.

Prämienflüge buchen – ein globales Produkt

So wie Airlines Länder rund um die Welt miteinander verbinden, so ist auch die Nachfrage nach Prämienflügen global. Dazu kommt, dass die Verfügbarkeiten von Meilen in einem Vielfliegerprogramm inzwischen ebenfalls weitgehend global ist. War es früher bei anderen Vielfliegerprogrammen als dem heimischen nur möglich, Meilen durch Flüge zu generieren, könnt ihr mit Kreditkarten inzwischen Meilen bei Dutzenden Vielfliegerprogrammen gleichzeitig sammeln. Unsere amerikanischen Freunde sind uns dabei übrigens meilenweit voraus, denn in den USA gibt es viel mehr Meilenkreditkarten. Diese haben wiederum viel mehr Transferpartner als die deutsche American Express. US- Meilensammler haben also noch viel mehr Möglichkeiten, ihre Meilen zu einem Programm zu transferieren, bei dem sie den perfekten Flug buchen können.

Dazu kann man bei immer mehr Programmen inzwischen Meilen auch direkt und mit Bonus zu einem attraktiven Preis einfach kaufen. Während es also rund um den Globus immer leichter wird, schnell viele Meilen in so ziemlich jedem Vielfliegerprogramm zu generieren, bleibt die Zahl der verfügbaren Plätzen gleich.

Prämienflug Verfügbarkeiten – Entwicklungen seit Corona

Mit der Corona Pandemie ist nicht nur der globale Flugverkehr weitgehend zum Erliegen gekommen. Vielmehr sind entsprechend auch die Meilenbuchungen für Prämienflüge auf beinahe Null gesunken. Während der Pandemie haben sich viele Vielfliegerprogramme Liquidität verschafft, indem sie Meilensales mit immer atemberaubenderen Boni aufgelegt haben. Meilenkäufe für knapp über einem Cent waren nicht mehr die Ausnahme sondern fast schon die Regel.

Freilich waren all die günstig rausgeworfenen Meilen ein Versprechen für die Zukunft. So häuften sich enorme Meilenkonten an. Ich selbst bin mit über einer Million Meilen bei verschiedenen Vielfliegerprogrammen aus der Pandemie gekommen. Als Corona dann von einem Tag auf den anderen plötzlich vorbei war, wollte jeder natürlich seine Meilen möglichst schnell möglichst gewinnbringend in Prämienflüge investieren. Eine hohe Nachfrage traf auf ein geringes Angebot, denn die Airlines konnten ihre Flotten gar nicht so schnell reaktivieren, wie die Leute buchen wollten.

Insofern war 2022 ein Chaos- Sommer ohne Verfügbarkeiten. Aber es gab ja einen nachvollziehbaren Grund, warum die Verfügbarkeiten so knapp waren. Irgendwann würde sich das schon wieder einpendeln.

Prämienflug Verfügbarkeiten im Sommer 2023 – weiterhin Ebbe

Doch auch in 2023 sind die Verfügbarkeiten nicht besser geworden. Im Gegenteil: Einige beliebte Produkte und Airlines sind scheinbar unbuchbar geworden. Singapore Airlines Verfügbarkeiten auf der Langstrecke – womöglich in der First Class – sind pure Glückssache. All Nippon Airways First Class Verfügbarkeiten – habe ich schon seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. Qatar Airways – nicht unmöglich, aber Flexibilität ist auch hier Trumpf.

Sind das alles immer noch Probleme von Angebot und Nachfrage oder gibt es noch weitere Gründe?

Verfügbarkeiten finden mit Expertflyer, Seats.Aero & Co

Wer ernsthaft nach Prämienflügen gesucht hat, hatte sich längst der vielen kleinen Tools bedient, die die Prämienflugsuche leichter machen. Das bekannteste ist sicherlich Expertflyer, die noch vor gut einem Jahr Verfügbarkeiten für alle großen und bekannten Airlines abbilden konnten. im vergangenen Jahr tauchte mit Seats.Aero ein weiteres mächtiges Tool auf. Daneben gibt es für viele Airlines und deren Vielfliegerprogramme spezialisierte Tools wie awardhacks.se für Eurobonus oder Seatspy für British Airways.

Die meisten dieser Tools bieten die Möglichkeit, einen Alert einzurichten. Ihr wollt an einem bestimmten Tag, mit Qatar Airways von Berlin nach Tokio? Ihr bekommt eine Mail genau in der Sekunde, in der ein Prämiensitz freigeschaltet wird. Die Popularität dieser Tools führt natürlich zu einem weiteren Austrocknen der Verfügbarkeiten. Denn so gelangen viele Plätze gar nicht – oder zumindest nicht für sehr lange – ans Licht der Öffentlichkeit. Kaum ist ein Platz in der Business oder First Class freigegeben, ist er auch schon wieder weggebucht.

Das ist ärgerlich für Meilensammler, die nach Verfügbarkeiten für ihren Traumflug fahnden – doch es ist auch sehr teuer für die Vielfliegerprogramme. Deren Meilenpreise basieren in der Regel auf einer Mischkalkulation, bei der sich wertvolle und wertlose Einlösungen die Waage halten. Jedes Programm hat seine eigene Shoppingmeile, wo man mit Meilen sinnloses Zeug für viel zu viele Meilen kaufen kann. Wer seine Meilen unter Wert hier einsetzt, schafft aber Platz für werthaltigere Einlösungen in Business oder First Class. Besonders teuer sind für das Vielfliegerprogramm dabei Prämienflüge in den Premiumkabinen von Partner- Airlines. Die Partner müssen nämlich für diese verkauften Meilentickets entschädigt werden.

Gibt es keine Prämienflug Verfügbarkeiten – oder werden sie vom Vielfliegerprogramm geblockt?

In der Vielfliegerszene machen längst schon Gerüchte die Runde, dass Vielfliegerprogramme sich gegen zu teure Meilenbuchungen für Partner- Airlines wehren, indem sie deren Flüge einfach nicht mehr ins System einpflegen. Paradebeispiel ist Aeroplan von Air Canada. Das Programm war nach dem Relaunch 2020 bekannt dafür geworden, Partner Airlines Verfügbarkeiten für Prämienflüge in der Business und First Class aus der Tasche zu ziehen. Plötzlich tauchten Singapore Airlines Business Class Flüge in größerer Menge auf, Oman Air war regelmäßig über Aeroplan zu buchen und auch viele weitere Star Alliance Partner waren phasenweise am leichtesten hier zu buchen. Diese Zeiten sind im Moment jedenfalls vorbei.

Oman Air ist schon seit über einem halben Jahr nicht mehr bei Aeroplan zu buchen und auch Star Alliance Partner EVA, All Nippon Airways oder THAI Airways sucht man absolut vergeblich. Selbst wenn man einen Flug bei einem anderen Vielfliegerprogramm findet, ist er bei Aeroplan nicht gelistet. Es ist relativ offensichtlich, dass hier Verfügbarkeiten populärer Airlines geblockt werden.

Prämienflug Verfügbarkeiten Aeroplan

Prämienflüge, die es bei Aeroplan nicht mehr gibt: THAI Airways FRA- HKG

Ähnliche Phänomene konnte man in den letzten Monaten auch bei Lifemiles beobachten. Einen First Class Flug habe ich bei Lifemiles auch schon seit einer ganzen Weile nicht mehr gefunden, aber auch die Business Class Verfügbarkeiten für bestimmte Airlines gehen hier fast gegen Null.

Air Canada verklagt Seats.Aero

Nun kommt ein bisschen Licht ins Dunkel. Air Canada verklagt einen der Tool- Anbieter, Seats.Aero, wegen nicht autorisierter Verwendung der Air Canada Webseite und Markennamen und Logos von Air Canada. Die Toolanbieter arbeiten nämlich nicht mit den Airlines zusammen sondern scrapen deren Inhalte in regelmäßigen Abständen, um Verfügbarkeiten für Flüge ausfindig zu machen. Air Canada behauptet nun, dass das gegen die AGB der Airline verstoße, nachdem man sich verpflichtet, die Webseite nur in autorisierter Weise zu nutzen. Hier ein Auszug aus der Klageschrift von Air Canada:

In direct violation of the Air Canada Group’s web terms and conditions, Carroll uses automated digital robots (or “bots”) to continuously search for and harvest data from the Air Canada Group’s website and database. His intrusions are frequent and rapacious, causing multiple levels of harm, e.g., placing an immense strain on the Air Canada Group’s computer infrastructure, impairing the integrity and availability of the Air Canada Group’s data, soiling the customer experience with the Air Canada Group, interfering with the Air Canada Group’s business relations with its partners and customers, and diverting the Air Canada Group’s resources to repair the damage. Making matters worse, Carroll uses the Air Canada Group’s federally registered trademarks and logo to mislead people into believing that his site, app, and activities are connected with and/or approved by the real Air Canada Group and lending an air of legitimacy to his site and app.”

Seats.Aero war einer Unterlassung, die in einer Abmahnung gefordert worden war, nicht nachgekommen. Expertflyer hatte dagegen zur selben Zeit ohne nähere Begründung die Star Alliance Verfügbarkeiten aus seinem Tool entfernt. Schon im vergangenen Jahr hatte Expertflyer Verfügbarkeiten von einigen Oneworld Airlines sowie Emirates entfernt. Mit dem Wissen von heute sieht es so aus, als hielten die Airlines diese Search Tools für die Verursacher der Verfügbarkeiten Flaute.

Allerdings steht die Klage von Air Canada gegen Seats.Aero wohl auf wackligen Füßen. Denn das Scraping von Webinhalten ist grundsätzlich nicht illegal. Wenn Inhalte wie Flugpreise oder in diesem Fall eben Verfügbarkeiten öffentlich bereitgestellt werden, ist es grundsätzlich erlaubt, diese Inhalte zu scannen und aufzubereiten. Das ist die Funktionsweise jeder Suchmaschine, jedes Preisvergleichs und am Ende auch von Google.

Seats.Aero argumentiert, dass Air Canada das Bedürfnis nach einem einfachen Search Tool durch die Verschlechterungen seiner eigenen Suche ja erst selbst hervorgerufen hat.

Air Canada is alleging that we are retrieving availability too quickly for Star Alliance to handle, but we retrieve availability from other Star Alliance airlines at the same rate, and they appear to have no IT issues coming from it and have never complained to us. We have built our systems to protect the airlines from excessive load, as we search Air Canada for availability at a fixed rate and have controls in place to rate limit all requests sent to Air Canada’s systems. When our users view Aeroplan results on Seats.aero, they no longer have to go run the same search on Aeroplan’s site, saving them resources.

Air Canada is alleging our searches caused them issues but do not acknowledge other points search sites and malicious third-parties that are known to scrape Air Canada as well, and they don’t attempt to distinguish our searches from them at all. The complaint doesn’t quantify our searches compared to anyone else. Additionally, Air Canada tries to paint us as malicious hackers despite us having previously worked with them to resolve cybersecurity issues in their own systems.

Doch natürlich ist die Klage vor einem US- amerikanischen Gericht eine heikle Angelegenheit für Seats.Aero. Finanziell ist die Klage geeignet, die kleine Firma zu ruinieren. Air Canada fordert ausweislich der Klageschrift, die uns vorliegt:

  • Rechtskosten im Zusammenhang mit der Klageerhebung, einschließlich angemessener Anwaltskosten
  • Zahlung aller Gewinne an die Air Canada Group, die sich aus den rechtswidrigen Handlungen des Beklagten ergeben
  • Gesetzlicher Schadensersatz von bis zu 2.000.000 US-Dollar für jede Art von Dienstleistung, die vom Beklagten unter den Marken AIR CANADA und AEROPLAN verkauft, zum Verkauf angeboten oder vertrieben wird
  • Ersatz für tatsächlich verursachten Schaden in noch festzulegender Höhe (jedoch über 75.000 $)
  • Strafschadenersatz in noch festzulegender Höhe

Selbt wenn das Scraping der Webseite vielleicht ein rechtlicher Graubereich ist, so scheint die Verwendung des Air Canada Logos auf der Seats.Aero Webseite kein besonders schlauer Zug zu sein. Denn Markenrechtsverletzungen können überall auf der Welt sehr, sehr teuer werden.

Airlines wehren sich gegen Miles Broker

Mark Nasr, Verantwortlicher bei Air Canada für Digitales und Marketing, wurde bei einem Live Gespräch auf Facebook etwas deutlicher. Er sieht Air Canada und die Partner der Star Alliance in einem Kampf gegen Miles Broker, die automatisierte Tools nutzen, um Prämienflüge zu buchen und zu verkaufen.

Demnach wäre der Bösewicht in diesem Spiel gar nicht die Webseite, die Verfügbarkeiten transparent macht. Vielmehr wollen die Airlines die Miles Broker treffen, die Prämienflüge gewerbsmäßig verkaufen und buchen.

Was sind Miles Broker?

Nun beginnt es womöglich etwas verwirrend zu werden, denn plötzlich geht es um einen neuen Akteur im Meilenspiel. Miles Broker sind Leute, die von Privatpersonen Meilen günstig aufkaufen und mit diesen gegen Bezahlung Prämienflüge buchen. Dabei nutzen bzw. missbrauchen die Broker die legalen Möglichkeiten, Meilen z.B. durch Pooling zusammenzuführen und Prämienflüge für verschiedene Personen zu buchen.

Ihr werdet euch vielleicht noch daran erinnern, dass Miles and More bis 2022 sogar die Möglichkeit geboten hat, über den Partner Loylogic Prämienmeilen auf ein anderes Konto zu transferieren. Loungerocker hatte seinerzeit als Erstes darüber berichtet, dass diese Möglichkeit heimlich, still und leise abgeschafft worden war (Miles and More Meilen übertragen).

Während Miles Broker auf der Beschaffungsseite also überwiegend die halb- legalen Wege nutzten, die die Vielfliegerprogramme selbst bereitstellten, wurden bei der Buchung automatisierte Tools zum Auffinden von Verfügbarkeiten genutzt. Die Airlines haben offenbar Anbieter wie Expertflyer oder Seats.Aero in Verdacht und versuchen, diese vom Markt zu nehmen. Dabei hoffen sie, dass sie den Miles Brokern das Instrument aus der Hand nehmen, mit dem diese Profit machen.

Meine persönlichen Erfahrungen mit Miles Brokern

Wer auf Facebook einen Meilenblog liked, hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, in der Folge Werbung von Meilenbrokern angezeigt zu bekommen. “We buy your miles and points” wird dabei versprochen. In den Kommentaren wird auch bereitwillig Auskunft gegeben, welche Meilen sie kaufen und wie viel sie dafür zu zahlen bereit sind. In der Regel gibt es Mindestmengen an Meilen, die angekauft werden. Gezahlt werden ja nach Art der Meilen irgendwas um die 0,3 Cent pro Meile. Das ist natürlich ein lausig schlechter Wert. Allerdings darf man nicht vergessen, dass viele Einlösungen z.B. bei Miles and More euch auch keinen höheren Gegenwert bringen. Lest dazu auch meinen Artikel Wie viel ist eine Miles and More Meile wert.

Während ich nie in Versuchung gekommen wäre, meine Meilen zu verkaufen, bin ich vor ein paar Monaten Zeuge geworden, wie die Miles Broker denn eigentlich ihre Prämienflüge verkaufen. Ich bin in einer privaten Facebook Gruppe, in der plötzlich jemand sehr laut begann, Business Class Flüge für lau anzubieten. Anfangs vor allem Emirates Flüge, später dann auch Air France und KLM Flüge auf der Langstrecke.

Returnflüge sollten irgendwas um 1500 Pfund kosten. Ich wurde stutzig, als der Marktschreier zu fast jedem Termin Verfügbarkeiten versprach. Er war relativ offen in der Auskunft, dass es sich um Meilenflüge handeln würde und dass er für jeweils fünf geworbene Kunden selbst einen Freiflug bekäme. Mit wem man denn eigentlich das Geschäft machen würde, sagte er freilich nicht. Direkt bei “den Jungs” könne man nicht buchen sondern nur über ihn. Auch die Zahlung müsse per Überweisung auf sein Bankkonto laufen.

Buchungen über Miles Broker sind illegal

Während er immerhin offen sagte, dass es sich um Prämienflüge handelte, war er sehr wortkarg, über die Risiken aufzuklären. Denn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Vielfliegerprogrammen untersagen das gewerbliche Handeln mit Prämienflügen. Fliegt der Broker auf – und das ist bei dem Volumen, das “die Jungs” produzierten nur eine Frage der Zeit – wird der Flug gecancelled. Euer Geld ist dann futsch – und auch auf rechtlichem Wege nicht einklagbar. Schließlich kann man nicht auf Schadensersatz aus einem illegalen Rechtsgeschäft klagen. Das wäre, als wenn ihr euren Dealer verklagen würdet, weil er euch gestrecktes Koks verkauft hat.

Long story short: Von den knapp 30 Leuten, die beim Marktschreier einen Flug gebucht haben, blieben 23 mit einem Totalverlust ihres Einsatzes zurück. Die Systeme der Vielfliegerprogramme erkannten ungewöhnliche Aktivitäten in einzelnen Accounts und sperrten diese – inklusive aller dort getätigten Buchungen.

In der Gruppe wurde darauf gemutmaßt, dass der Marktschreier nie Flüge gebucht habe sondern sich das Geld direkt in die eigene Tasche gesteckt habe. Dagegen sprach, dass alle 23 Personen einen Buchungscode erhalten hatten, mit dem sie ihre Reise auch zunächst einsehen konnten. Nach Sperrung des Accounts konnte dieser Buchungscode natürlich nicht mehr zugeordnet werden. Für die Airline, die ja nicht der originale Buchungskanal war, sah es bei Nachfrage also so aus, als hätte die Buchung nie existiert.

Der Marktschreier verließ die Gruppe alsbald und zog weiter. In welcher Gruppe er seine Business Class Tickets nun verkauft, ist nicht bekannt.

Prämienflug Verfügbarkeiten – wie stoppe ich Miles Broker?

Es ist ganz offensichtlich, dass dieses Geschäft mit den gekauften Meilen aus dem Ruder gelaufen ist und einen erheblichen Einfluss auf die Prämienflug Verfügbarkeiten hat. Die Broker nehmen attraktive Verfügbarkeiten in der Business und First Class sofort aus dem Markt, worunter die Meilensammler- Gemeinde insgesamt leidet. Vielfliegerprogramme wissen sich offenbar nicht anders zu helfen, als solche Verfügbarkeiten gar nicht mehr erst freizugeben.

Broker nutzen auch relativ einfache Tricks, um sich Verfügbarkeiten für gewünschte Flüge zurechtzulegen. Das funktioniert z.B. so: Ihr wollt mit der Japan Airlines First Class von an einem bestimmten Termin von Tokio nach New York fliegen. Die Wahrscheinlichkeit auf einen freien Prämienflug Platz ist gering. Also bucht ihr ein flexibles Revenue Ticket für diesen Flug und storniert dieses eine Woche vor Abflug. Japan Airlines wird diesen freigewordenen Platz wegen der Kürze der Zeit bis zum Abflug sofort als Prämienplatz freigeben und hier bucht ihr das Ticket noch mal – dieses Mal aber als günstiges Meilenticket.

Dieser Trick soll erstaunlich gut funktioniert haben – bis Japan Airlines aufgehört hat, Last Minute Verfügbarkeiten freizugeben. Der schöne Trick hat hier also der Allgemeinheit geschadet, weil nun auch Last Minute keine Chance mehr auf einen Prämienflug in der First Class besteht.

Ist es da nicht im Interesse des einfachen Meilensammlers, wenn die Airlines gegen Tools vorgehen, die den Miles Brokern ihr illegales Geschäft erst ermöglichen?

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Meilenbroker stoppen – effektive Wege

Wenn man Tools verbietet, mit denen man leichter Verfügbarkeiten für lohnenswerte Einlösungen auffindet, schadet man vielleicht den Meilenbrokern – vor allem aber schadet man auch der Allgemeinheit. Denn so manche Suchmaschine von Vielfliegerprogrammen ist in Sachen Usability schlicht eine Frechheit. Bei vielen Programmen muss man sich mühsam Tag für Tag voran kämpfen, um nach Verfügbarkeiten zu fahnden. Suchvorgänge dauern oft eine Ewigkeit und wenn man sich 20 Tage voran geklickt hat, fliegt man raus, weil die Systeme denken, man sei ein Bot.

Teilweise haben Programme ihre Suchfunktion bewusst verschlechtert, um das Auffinden attraktiver Prämienflüge zu erschweren. Vielfliegerprogramme und Meilensammer haben nicht die gleichen Interessen. Wer glaubt, dass Air Canada Seat.Aero verklagt, damit mehr Chancengleichheit beim Auffinden von tollen Einlösungen herrscht, vergisst, dass Aeroplan seinen Profit mit wertlosen Einlösungen macht. Tools wie Expertlyer und Seats.Aero sind daher grundsätzlich unerwünscht.

Nebenbei glaube ich persönlich nicht daran, dass Miles Broker nicht in der Lage sind, so ein Scraping Tool selbst aufzusetzen. Der Glaube, dass man das Geschäft mit Prämienflügen dadurch stoppen könnte, ist einigermaßen blauäugig.

An die Wurzel des Übels gehen

Das eigentliche Problem mit den Miles Brokern besteht in den Möglichkeiten, Meilen zu poolen und Flüge für verschiedene Personen zu buchen. Außerdem ist es zu leicht, einfach neue Accounts zu eröffnen, wenn ein Account gesperrt wurde. Effektiver als das Vorgehen gegen Scraper scheint daher:

  • Identifizierung bei Registrierung für ein Vielfliegerprogramm
  • Begrenzung von Pooling auf Familienmitglieder
  • Begrenzung der Anzahl an Personen, für die Prämienflüge gebucht werden können
  • Zeitliche Begrenzung, wie oft diese Liste an Personen geändert werden kann
  • Begrenzung von Möglichkeiten, Meilen zu übertragen

Diese Maßnahmen scheinen eher geeignet zu sein, den gewerblichen Handel mit Prämienflügen zu unterbinden. Geeigneter jedenfalls, als Anbieter von Tools zu verklagen, die nur deshalb erfolgreich sind, weil die Airlines die Suche nach Prämienflügen auf ihrer eigenen Webseite nutzerunfreundlich gestalten. Schlauer wäre es, den Wettbewerb mit den Toolanbietern anzunehmen und die eigene Suche zu verbessern. Es gibt ja durchaus Programme, die sich in der jüngeren Vergangenheit hier hervorgetan haben. So gibt es z.B. bei Iberia Plus, British Airways Executive Club, Lifemiles oder Cathay mittlerweile Kalendersuchen, wo man zumindest in einem gewissen Umfang Prämienflug Verfügbarkeiten monatsweise recherchieren kann.

Fazit

Airlines nehmen den Kampf mit Miles Brokern auf, die für das Austrocknen von Prämienflug Verfügbarkeiten verantwortlich gemacht werden. Während dies im Allgemeinen eine gute Nachricht ist, von der Meilensammler weltweit profitieren könnten, sind die Mittel dabei mindestens diskutabel. Klar ist, dass sich an den derzeitigen Zuständen etwas ändern muss, weil der Belohnungsgedanke, der hinter Prämienflügen steckt, ins Wanken gerät. Gibt es aber keine Belohnung mehr für Loyalität, wird auch die Loyalität mehr und mehr schwinden. Eine Entwicklung, an der auch Airlines kein Interesse haben werden.

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