Business Class Sitze ► Hersteller, Modelle & alle Infos

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EVA Business Class B787-9

Ich hatte zu Beginn des Jahres schon in einer kleinen Reihe die verschiedenen Business Class Sitze populärer Airlines in den verschiedenen Flugzeugtypen vorgestellt. In diesem Guide lernt ihr nun alles über die wichtigsten Hersteller, die populärsten Sitze und welche Airlines welchen Business Class Sitz in ihren Flugzeugen verbaut haben.

Business Class Sitze Langstrecke – auf den Sitz kommt es an

Machen wir uns nichts vor. Natürlich ist ein freundliches Lächeln, ein guter Rotwein und ein exquisites Menu auf einem Flug eine gute Sache. Doch der Gamechanger gegenüber der Economy oder Premium Economy ist der natürlich der Business Class Sitz. Der bequeme Sitz, der sich in ein flaches Bett verwandeln lässt, ist der Grund, warum Passagiere deutlich mehr zu zahlen bereit sind.

Die Sitze der neuesten Generation sind vollgestopft mit Hightech, angepasst an den jeweiligen Flugzeugtyp und integriert in das Corporate Design der jeweiligen Airline. Da mag es überraschen, dass Business Class Sitze am Ende trotzdem weitgehend von der Stange gekauft werden. Die Sitze, die die Airlines heute in ihren Maschinen verbaut haben, sind unterschiedlich stark angepasste Basismodelle der großen Sitzhersteller. Den Fortschritt in Sachen Komfort und Technik an Bord verdanken wir der Innovationskraft einer guten Handvoll Hersteller von Flugzeugsitzen.

Marktvolumen und Lebenszyklen von Flugzeugsitzen

Mit dem Wettbewerb zwischen den Airlines im Kampf um Passagiere verkürzen sich derzeit auch die Lebenszyklen von Sitzmodellen. Aktuell erleben wir eine Phase, in der praktisch täglich Airlines Pläne für ein Remodelling ihrer Business Class Kabinen vorstellen. Spannende Zeiten!

Dazu kommt, dass Fluggesellschaften bei Neuzugängen in die Flotte in der Regel auch die Business Class Sitze modifizieren. Das hat uns mit der Einflottung neuer Modelle wie des Boeing Dreamliners vor einigen Jahren auch einen Innovationsschub bei den Business Class Sitzen gebracht. Das Line Fit, also die Ausstattung neuer Flugzeuge mit Equipment hat an dem Marktvolumen derzeit wohl einen höheren Anteil als das Retro Fit, also die Modernisierung bestehender Flotten. Das liegt sicher auch an der bevorstehenden Neueinführung der Boeing B777-9, die viele Airlines zur Einführung einer neuen Kabine nutzen werden.

Das Retro Fit ist dagegen oft eine Frage der Kosteneffizienz. Lohnt es sich wirklich, eine Teilflotte an Flugzeugen mit einem neuen Bordprodukt auszurüsten, die vielleicht nur noch wenige Jahre bis zur Rente hat? Auch ist das Retrofitting einer bestehenden Flotte im laufenden Flugbetrieb natürlich eine Kostenfrage. Es ist schließlich bares Geld, das die Airlines mit langen Standzeiten ihrer Flugzeuge verlieren. Auch bedarf es bei unterschiedlichen Flugzeugtypen spezifischer Anpassungen, die ebenfalls ins Geld gehen.

Was kostet ein Business Class Sitz?

Während die Airlines für einen Langstrecken- Sitz in der Economy etwa 5000 Euro zahlen müssen, betragen die durchschnittlichen Kosten bei einem Business Class Sitz mit 60.000 bis 80.000 Euro ein Vielfaches davon. Damit machen Business Class Sitze mit Abstand den Löwenanteil des Marktanteils von geschätzten 2,24 Milliarden US Dollar aus. Studien gehen von einer Steigerung des Marktvolumens bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf bis zu 3,11 Milliarden US Dollar aus, was dann knapp über dem Vorkrisenniveau von 2019 wäre.

First Class Produkte werden dagegen in sehr viel größeren Abständen modernisiert und sind insgesamt ein schrumpfender Markt, der keine zehn Prozent des Marktvolumens mehr ausmacht.

Business Class Sitze Hersteller – The Big Five

Die wirtschaftlich vermutlich erfolgreichsten Sitzmodelle für die Business Class verteilen sich im Großen und Ganzen auf fünf Hersteller. Wenn ihr auf der Langstrecke Business Class fliegt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, in einem Sitz der folgenden Hersteller zu fliegen.

  • Collins Aerospace (vormals B/E Aerospace), USA
  • Safran (vormals Zodiac), Frankreich
  • Stelia Aerospace, Frankreich
  • Thompson Aerospace, Großbritannien
  • Recaro, Deutschland

Daneben gibt es mit JAMCO (Japan), HAECO (China) oder Adient Aerospace (USA) weitere Hersteller, die den einen oder anderen erfolgreichen Flugzeugsitz platzieren konnten. Was die Marktanteile angeht, so sind Collins Aerospace und Safran die Marktführer nicht nur im Bereich der Business Class Sitze.

Die populärsten Business Class Sitze

Die wirtschaftlich erfolgreichsten Business Class Sitze der letzten zwei Jahrzehnte waren sicherlich die Sitze der Diamond und Super Diamond Reihe von Collins Aerospace. Einst konstruiert von B/E Aerospace, die später von Collins Rockwell übernommen wurden, avancierten die beiden Diamond Reihen zu den am weitesten verbreiteten.

Collins Aerospace Diamond

Der Diamond Sitz kommt immer im Zweierpack daher. In Flugzeugen mit einer 2-2-2- Konfiguration besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es sich um den Diamond von Collins handelt. In den Nullerjahren dieses Jahrtausends hat der Diamond Sitz begonnen, seinen Vorgänger, den Minipod, als Standardsitz abzulösen. Gegenüber diesem kam der Diamond Sitz mit einem flachen Bett daher. Da Qatar Airways über ein Jahrzehnt ausschließlich Sitze des Collings Vorgängers B/E Aerospace verwendete, habe ich die Geschichte der Diamond Sitze schon in dem Artikel Qatar Airways Business Class Sitze ausführlich beschrieben.

Qatar Airways Business Class A330

Diamond Sitz im Qatar Airways A330

Doch natürlich war Qatar Airways nicht der einzige Kunde für den Aerospace Diamond Sitz. Aus deutscher Sicht ist der Sitz natürlich vor allem in seiner leicht modifizierten Form in der Lufthansa Business Class bekannt. Bis zur Einflottung neuer A350 von Philippine Airlines und B787, die für Hainan Airlines bestimmt waren, flog die Lufthansa Business Class ausschließlich mit Diamond Gestühl.

Während die 2-2-2- Konfiguration natürlich ideal für gemeinsam Reisende und Paare ist, stört Alleinreisende in der Regel der Mangel an Privatsphäre. Wie gesagt, der Sitz wurde in den Nullerjahren konzipiert, als nicht Suiten und Privatsphäre das Hauptthema bei Business Class Reisenden war, sondern ein flaches Bett.

Lufthansa Business Class

B/E Aerospace Diamond Sitz in der Lufthansa Business Class

Collins Aerospace Super Diamond

Um 2010 herum führte B/E Aerospace dann den modifizierten Super Diamond Sitz für die Business Class ein. Er ist in einer typischen Reverse Heringbone Anordnung und kommt immer in 1-2-1- Konfiguration daher. Erstkunde des Super Diamond, der in praktisch alle Großraumflugzeuge eingebaut werden kann, war Air Canada.

Einer der größten Abnehmer wurde wiederum Qatar Airways, die den Super Diamond zu Beginn der 2010’er Jahre zu ihrem Standardsitz machten. Bis heute findet ihr ihn in allen A380 und B787-8. Außerdem ist er noch in den A350-900 zu finden, die noch nicht auf QSuite umgerüstet wurden.

Lufthansa hat den Super Diamond in den fünf Maschinen, die ursprünglich für Hainan Airlines vorgesehen waren. Gegenüber der alten Diamond Business Class stellt dies ein erhebliches Upgrade dar.

Weitere Kunden des Super Diamond waren und/oder sind:

  • China Airlines (B777, A350)
  • American Airlines (787-9, 777-300)
  • British Airways (A350-1000)
  • Hong Kong Airlines (im neuen A350-900)
  • Egyptair (B787)
  • Virgin Australia (B777, A330)
  • Garuda Indonesia (einige A330)
  • Air China (A350-900)
  • Air Canada (B787, B777)
  • Hainan Airlines (neue B787-9)
  • WestJet (B787-9)
  • Saudia (einige B777)
Air Canada Aeroplan

© Air Canada

Safran Cirrus

Auch wenn der Super Diamond von Collins ebenfalls eine schräge Anordnung hat, ist der Prototyp eines Reverse Heringbone Sitzes ein anderer. Der französische Sitzhersteller Safran hat 2017 den Konkurrenten Zodiac übernommen und damit die ikonische Cirrus Produktgruppe geerbt. Der Safran Cirrus wurde 2009 erstmals ausgeliefert – Erstkunde war US Airways.

Dieser Sitz wird bis heute gut verkauft, denn er verbindet eine Reihe von Vorteilen. Die Anordnung in Reverse Heringbone Konfiguration ist platzsparend und gewährt insbesondere den Einzelplätzen am Fenster hohe Privatsphäre. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass alle Sitze im Großen und Ganzen gleich sind, so dass es keine “schlechten” Plätze gibt.

Der Safran Cirrus ähnelt dem Super Diamond Sitz wegen der gleichen Anordnung. Am ehesten könnt ihr den Unterschied am Monitor erkennen. Dieser wird beim Safran Cirrus nämlich herausgeklappt, während er beim Super Diamond starr installiert ist. Auch ist der Entertainment Controller beim Cirrus meist senkrecht in der Konsole verbaut, während er beim Super Diamond zumeis waagerecht über der Armlehne angebracht ist.

Ihr begegnet dem Safran Cirrus u.a. in folgenden Maschinen:

  • Air France (B777, B787)
  • Cathay Pacific (A330, B777, A350)
  • Delta Air Lines (A330)
  • KLM (B787-9)
  • Finnair (alte A350)
  • Sri Lankan Airlines (A330-300)
  • EVA (B777)

Ich bin im Cirrus schon häufig geflogen. Hier ein paar Reviews:

Safran Fusio

Auch wenn der Cirrus sicherlich die Gelddruckmaschine von Safran ist, hat der französische Hersteller natürlich noch mehr Sitze im Angebot. Der Safran Fusio ist noch jüngeren Datums und hat trotz seiner hervorragenden Bewertungen bisher erst einen Abnehmer gefunden. All Nippon Airways vermarktet den Fusio unter dem Namen “The Room”.

Der Fusio ist vermutlich einer der breitesten – wenn nicht DER breiteste – Sitze, die ihr in der Business Class finden könnt. Manche sagen, ANA The Room sei gerade wegen der breiten Sitzfläche eigentlich besser als die QSuite.

Wie gesagt, meines Wissens gibt es außer All Nippon Airways bisher keinen größeren weiteren Kunden, so dass dieser hervorragende Sitz ökonomisch möglicherweise nicht so erfolgreich werden wird. Das mag an der raumgreifenden Konstruktion liegen, die die versetzte Anordnung mit sich gegenüberliegenden Sitzen mit sich bringt. Durch die Breite des Sitzes ist der Safran Fusio zudem wohl vor allem für die B777 geeignet.

ANA The Room

ANA The Room – Safran Fusio

Safran Skylounge

Ein weiteres markantes Produkt von Safran findet ihr ebenfalls bei All Nippon Airways. Alle Dreamliner des Star Alliance Carriers sind mit der Safran Skylounge ausgestattet. Diese findet ihr in einer starren versetzten Anordnung in 1-2-1- Konfiguration. Starr bedeutet, dass die Konsole immer zwischen den Mittelsitzen angebracht ist. Es wechseln sich also nicht Doppelsitze mit der Konsole innen mit Honeymoon- Doppelsitzen mit Konsole außen ab. Die so genannten Honeymoon Sitze sind besonders bei Paaren natürlich sehr beliebt. Bei der Safran Skylounge entstehen aber keine Honeymoon- Sitze, weil immer eine Konsole zwischen den Mittelsitzen angebracht ist. Für Paare ist dieser Sitz daher eher nicht geeignet.

Bei den Fenstersitzen hat die Safran Skylounge wechselweise einen Sitz direkt am Fenster mit der Konsole am Gang und einen Sitz am Gang mit der Konsole zum Fenster.

Ich bin in dem Sitz von Tokio nach Frankfurt geflogen. Hier ist das ANA Business Class B787 Review.

All Nippon Airways (ANA) Business Class B787

ANA Business Class mit Safran Skylounge

Stelia Aerospace Solstys

Die Mutter aller versetzten Business Class Sitze ist der Stelia Solstys, den es in einer Reihe verschiedener Ausfertigungen gibt. Er kommt immer in einer 1-2-1- Sitzanordnung daher. Die Fensterplätze sind dabei in gleicher Weise versetzt wie die Safran Skylounge. Doch die Mittelplätze haben eben die Konsole in einer Reihe in der Mitte und in der nächsten Reihe außen. Anders als beim Skylounge Sitz entstehen so die beliebten Honeymoon Sitze mit zwei Sitzen ohne störende Konsole dazwischen. Im ausgefahrenen Lie- flat Modus entstehen hier (fast) Doppelbetten.

Der Sitz, der vom früheren EADS Konzern unter dem Namen Sogerma Solstys entwickelt worden war, ist heute ein Klassiker. Ursprünglich als Exklusiv- Ausstatter für die Airbus Familie gegründet, sind die Sitze von Stelia inzwischen auch in Boeing Flugzeugen zu finden.

Mitunter sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Sitztypen so marginal, dass man sie kaum erkennen kann. Insbesondere bei den Weiterentwicklungen der Solstys Reihe selbst, aber auch beim Nachfolger Symphony sind Veränderungen vor allen an Details vorgenommen worden.

Den Stelia Solstys in Reinform gewissermaßen bin ich mit Iberia im A330 von Madrid nach New York geflogen.

Iberia Business Class Kabine A330

Ihr findet den Solstys aber in einer ganzen Reihe weiterer Flugzeuge:

  • Hong Kong Airlines (einige A330, A350)
  • Hainan Airlines (einige A330-300, A350)
  • Etihad Airways (777, A330)
  • Malaysia Airlines (A330-200)
  • Virgin Atlantic (A330-200)
  • Asiana Airlines (A380, B777, A350)
  • Emirates (A380)
  • THAI Airways (B777-300ER)
Emirates Business Class im A380

Emirates Business Class im A380, Stelia Solstys

Stelia Symphony

Der Stelia Symphony ist eine Weiterentwicklung des Solstys. Markanteste Änderung ist die höhere Privatsphäre, die der Sitz durch die breitere Verschalung in Kopfhöhe bietet. Dies ist vor allem bei den Sitzen, die zum Gang gerichtet sind, angenehm. Singapore Airlines hat den Stelia Symphony sowohl in seiner Teilflotte der A350-900MH wie in der B787-10 verbaut. Beide Flugzeuge werden vor allem auf den innerasiatischen Regionalstrecken eingesetzt. Die verschiedenen Singapore Airlines Business Class Sitze habe ich in einem eigenen Artikel vorgestellt.

Singapore Airlines Business Class B787-10

Singapore Airlines Business Class B787-10, Stelia Symphony

Thompson Aerospace Vantage

Der britische Flugzeugsitzhersteller Thompson Aerospace ist vor allem für seinen Vantage- Sitz und dessen breitere Variante Vantage XL bekannt. Im deutschsprachigen Raum ist der Thompson Vantage vor allem durch die Lufthansa Töchter SWISS und Austrian Airlines bekannt. Beide nutzen den Vantage Sitz in ihrer B777 Flotte; SWISS darüber hinaus auch im A330 und A340.

Der Vantage Sitz kommt in einer versetzten Anordnung daher. Beliebt ist bei der Standard- Variante der Wechsel von Einzelsitzen – so genannten Thronen – und Doppelsitzen an den Fensterreihen. Die Mittelreihe ähnelt bei der Originalversion des Vantage der Safran Skylounge von ANA. Die Konsolen sind bei beiden Sitzen jeweils starr auf der gleichen Seite, so dass hier keine Honeymoon- Sitze entstehen. Die Außenreihen dagegen haben im Wechsel Doppelsitze und Einzelsitze. Das führt dazu, dass der Fußraum der Doppelsitze zu zwei breiten Konsolen des davorstehenden Einzelsitzes wird. Die dadurch entstehenden breiten Armlehnen bzw. Ablageflächen haben dem Einzelsitz den Namen Thron eingebracht.

Tatsächlich sind die Throne bei Alleinreisenden entsprechend beliebt. Ich persönlich habe mich dort nicht sehr wohl gefühlt, weil die beiden Konsolen im Liegen jeden Bewegungsspielraum einschränken. Sich im Thronsitz zu wenden, ist fast unmöglich. Auch der Fußraum des Thronsitzes ist extrem eng. Für Tagflüge ist der Vantage Einzelsitz insofern sehr angenehm – insbesondere wenn man etwas arbeiten möchte. Schließlich hat man mit den beiden Konsolen jede Menge Ablagefläche. Doch über Nacht würde ich lieber am Gang schlafen wollen.

Miles & More Statusvorteile Austrian Airlines Business Class

Austrian Airlines Business Class – Der Thron

Durch den Wechsel von Einzel- und Doppelsitzen in den Fensterreihen, haben fast alle Sitze direkten Zugang zum Gang. Lediglich die Fensterplätze in den Doppelreihen müssen über einen Nachbarn drübersteigen. Diese Sitze sind insofern eher für gemeinsam Reisende geeignet. Paare, bei denen einer aus dem Fenster schauen möchte, lieben diese Anordnung.

SWISS Business Class Kabine

Thompson Vantage bei SWISS in der B777

Thompson Vantage XL

Der Thompson Vantage XL unterscheidet sich von der Standardversion vor allem durch eine breitere Sitz- und Liegefläche. Diese bedingt, dass der Vantage XL immer in 1-2-1- Konfiguration verbaut wird. Erstkunde des Vantage XL war Star Alliance Mitglied Skandinavian Airlines (SAS). SAS hat den Sitz sowohl in den A330 wie in den A340 verbaut.

Aus deutscher Sicht interessant ist sicherlich, dass die A350, die Lufthansa 2021 von Philippine Airlines übernommen hat, ebenfalls mit Vantage XL Sitzen und damit mit einer 1-2-1- Konfiguration ausgestattet sind.

Lufthansa neue Business Class A350 Philippine Airlines

© Lufthansa

Der Vantage XL von Thompson hat noch ein paar zusätzliche Konfigurationsoptionen erhalten, von denen die wichtigste wohl die Möglichkeit für Honeymoon Sitze ist. Meines Wissens hat bisher allerdings lediglich LATAM von dieser Option Gebrauch gemacht.

Mein letzter Flug in einem Vantage XL war mit EVA im Dreamliner B787-9, der die klassische Konfiguration hatte. Weitere Airlines mit dem Thompson Vantage XL:

  • South African (A330-300)
  • Philippine Airlines (einige A330-300, A350)
  • LATAM (einige 767-300)
  • Delta Air Lines (A350, einige B777)

Zur Vantage Sitzfamilie gehören noch eine Suite Version mit Tür (Vantage XL+), der VantageSOLO mit flachen Betten für Schmalrumpfflugzeuge und der VantageDUO, ein schräg angeordneter Reclinersitz – ebenfalls für die A320/B737- Reihen.

Recaro CL6710

Ein Sitz des deutschen Herstellers Recaro darf in der Auflistung natürlich nicht fehlen. Das nicht nur aus Lokalpatriotismus – schließlich ist Recaro, was die Marktanteile bei Flugzeugsitzen angeht, die Nummer 3 weltweit. Zwar hat der Recaro CL6710, der im September 2017 seinen Erstflug in einem Dreamliner von El Al hatte, keine Kunden aus der ersten Reihe begeistern können. Doch der Sitz ist schlau und platzsparend konzipiert – und damit vor allem für schmalere Widebodies gedacht.

Der Sitz ist in 1-2-1- Konfiguration schräg versetzt angeordnet. Auf einen flüchtigen ersten Blick kann man die Kabine mit einer Reverse Heringbone verwechseln. Doch auf den zweiten Blick sieht man, dass sich Reihen in Reverse Heringbone mit Reihen in klassischer Heringbone Anordnung abwechseln. Bei den Fensterplätzen hat man also einen Sitz, der aus dem Fenster guckt, während der nächste Sitz in die Kabine blickt. In der Mittelreihe wechseln sich einander zugewandte Honeymoon Sitze mit scherzhaft “Scheidungssitzen” genannten Sitzpaaren ab, die zum Gang ausgerichtet und durch eine Mittelkonsole – den Fußraum der Honeymooner – getrennt sind.

Diese Anordnung führt dazu, dass die Sitze sehr unterschiedliche Passagiergruppen ansprechen. Während die Honeymoon- Sitze gerade aufgrund des fehlenden Dividers für Nicht- Paare unangenehm sein werden, sind die Scheidungssitze natürlich die Höchststrafe für frisch Verliebte. Und während der Einzelsitz zum Fenster ein gutes Maß an Privatsphäre hat, ist der Einzelsitz in den Gang gerade nachts unangenehm. Ich hatte beide Sitze auf meinem Hin- und Rückflug mit TAP Portugal im A330neo nach Cancun während meines letzten Review Trips. Eigentlich war TAP Portugal auch Erstkunde des A330neo. Doch aufgrund von Problemen mit der Ausstattung der neuen A330neo hob am Ende der Dreamliner von El Al als Erstes mit der neuen Recaro Kabine ab.

Dass der Recaro CL6710 2015 den German Design Award gewonnen hat, hängt vermutlich zuallererst mit der Effizienz beim Platzverbrauch und wohl auch mit dem deutlich reduzierten Gewicht gegenüber anderen Modellen zusammen. Schließlich spielt in Zeiten des Klimawandels Energieeffizienz – und damit letztlich auch Kosteneffizienz – eine wichtige Rolle. Einen Publikumspreis hat der Recaro Sitz hingegen m.W. noch nicht gewonnen.

Recaro CL6710, El Al B787

Recaro CL6710, Copyright Recaro

Ist die neue Lufthansa Allegris eine Recaro CL6710 Variante?

Auf der Lufthansa Webseite heißt es aktuell zu den Herstellern der Allegris Business Class:

Insgesamt fünf Unternehmen stellen die „Allegris“ Sitze her: Die Business Class wird von drei verschiedenen Herstellern angefertigt: Stelia (Frankreich), Collins (USA) und Thompson (Großbritannien). ZIM (Deutschland) ist der Hersteller der neuen Premium Economy Class und Recaro (Deutschland) der neuen Economy Class.

Schauen wir uns dagegen das Pressefoto der neuen Allegris Business Class an, fällt auf, dass diese zwar modifiziert, aber auf der versetzten Anordnung des Recaro CL6710 aufgesetzt zu sein scheint.

Lufthansa Allegris

Copyright Lufthansa

Die Ähnlichkeit mit dem Recaro ist frappierend. Lediglich die Honeymoon- Sitze sind gegen einen Einzelsitz in der Mittelreihe ausgetauscht worden.

Übrigens hatte Lufthansa das gleiche Foto im November 2017 schon mal als Sneak Preview für die neue B777-X auf Twitter gepostet. Deren Einflottung war ja bekanntlich für 2020 geplant und dann mehrfach verschoben worden. Damals war darüber berichtet worden, dass sich Lufthansa für den Recaro Sitz entschieden hat.

Lufthansa Sneak Preview neuer Sitz 2017

Weitere Business Class Sitze

Es gibt noch viele weitere Business Class Sitze, die eine Erwähnung wert sind, obwohl sie kommerziell vielleicht nur begrenzten Erfolg hatten. Schauen wir uns ein paar weitere interessante Sitze im Schnelldurchlauf an. Starten wollen wir mit der besten Business Class der Welt.

Business Class Sitze – QSuite

Obwohl die Qatar Airways QSuite seit 2017 jedes Jahr den Preis als beste Business Class der Welt gewonnen hat, ist sie, kommerziell gesehen, kein Erfolg. Schließlich ist das Produkt, das in Zusammenarbeit von Qatar, Collins Aerospace und der Agentur PriestmanGoode konzipiert worden war, kein Produkt von der Stange. Der Sitz wird also exklusiv in Qatar Airways Flugzeugen verbaut. Dort hat die QSuite es in sechs Jahren aber nur in deutlich weniger als 100 Flugzeuge geschafft.

Das Geschäft mit dem Hype, den das Suite- Modell ausgelöst hat, haben letztlich andere gemacht. Dass die QSuite als Marke und qualitativ auch 2023 immer noch allen anderen Suite- Konzepten einen Schritt voraus ist, zeigt was für ein Meilenstein damit 2017 gelegt wurde.

Business Class Sitze – Adient Ascent

Bleiben wir noch mal einen Moment bei Qatar Airways und widmen uns dem einzigen Sitz der letzten 20 Jahre, der nicht von Collins Aerospace bzw. dem Vorgänger B/E Aerospace konstruiert wurde. Ausgerechnet den QSuite Nachfolger für den Dreamliner B787-9 ließ Qatar Airways von einem neuen Sitzhersteller konstruieren.

Erst auf den zweiten Blick erkennt man, dass der Ascent des Autositzherstellers Adient (in einem Joint Venture mit Boeing) keine Reverse Heringbone Anordnung hat. Stattdessen weisen alle Sitze in der Kabine untypischerweise zum Fenster. Die Mittelsitze sind also nicht einander zugewandt sondern voneinander weg. Trotz der Schiebetür ist die Suite im Dreamliner vom Platzangebot sehr viel gedrungener und mit der QSuite nicht zu vergleichen. Es gibt bei Qatar Airways offenbar auch keine Überlegungen, den Sitz auf weitere Dreamliner auszuweiten.

Collins Aerospace AirLounge

Einen vollkommen neuen, geradezu revolutionären Sitz hat Collins Aerospace im Auftrag und in Zusammenarbeit mit Finnair konstruiert. Das neue an dem AirLounge Sitz in der Finnair Business Class: Er lässt sich nicht elektrisch verstellen. Was klingt wie eine Rückkehr in die Steinzeit der Business Class Kabinenausstattung ist ein mutiges Experiment. Ich war auch erstmal skeptisch, ob ich einen Langstreckenflug von über zehn Stunden in einem Sitz verbringen möchte, indem ich den Neigungswinkel nicht verändern kann.

Das Innovative an dem AirLounge Sitz ist, dass er erstens breiter ist als die meisten Business Class Sitze. Er ist in einer 1-2-1- Anordnung verbaut. Die Breite und die ergonomische Form des Sitzes ermöglichen einem, seine Sitzposition laufend zu verändern. Dazu gibt es noch ein paar Kissen zur Unterstützung beim Finden neuer Sitzpositionen. Auf ein flaches Bett müsst ihr natürlich trotzdem nicht verzichten. Die einzige Elektrik an dem Sitz lässt vor der Fußablage eine Stütze ausfahren, auf der dann ausklappbare Polster mit dem Sitz abschließen.

Für die Airline kommt der AirLounge Sitz von Collins Aerospace mit erheblich geringeren Produktionskosten und einem Bruchteil des Gewichts herkömmlicher Business Class Sitze daher. Ich vermute, dass Airlines sehr genau darauf schauen, wie der Sitz von den Finnair Passagieren angenommen wird und dann ähnliche Konzepte implementieren. Ich war auf meinem Flug auch wegen der enormen Privatsphäre begeistert.

Finnair Business Class Airlounge Sitz

Mein persönlicher Lieblings- Business Class Sitz – Collins Aerospace Apex Suites

Ich will euch zum Schluss noch verraten, welcher der vielen Business Class Sitze denn mein persönlicher Lieblingssitz ist und warum. Wenn wir uns einmal anschauen, was einen Business Class Sitz eigentlich von einem First Class Sitz unterscheidet, dann fällt mir als Erstes immer der Fußraum ein (Unterschiede zwischen Business und First Class). First Class Sitze haben einfach mehr Platz und eure Füße verschwinden nicht in der Konsole eures Vordermanns. Man liegt in der First Class also tatsächlich in einem Bett, während manch ein Business Class Sitz sich eher anfühlt wie ein Sarg.

Der einzige Business Class Sitz, bei dem man sich halbwegs wie in einem Bett fühlt, ist meiner Meinung nach der Collins Aerospace Serenity Suites Sitz – früher bekannt unter dem Namen APEX Suites. Diese Suiten kommen erstaunlicherweise in einer 2-2-2- Anordnung daher – und trotzdem hat jeder Sitz direkten Zugang zum Gang. Dies wird dadurch erzielt, dass die Sitze leicht versetzt zueinander angeordnet sind und die Fensterplätze einfach um den Nebensitz herumgehen und in den Gang treten können.

Oman Air Business Class Sitze

Die Sitze sind durch einen hohen Divider getrennt, so dass man bei den Fensterplätzen von echten Suiten sprechen kann. Ich bin in der Oman Air Business Class in den Serenity Suites geflogen und war begeistert. Inzwischen hat Oman Air die gesamte Langstreckenflotte mit den Apex oder Serenity Suites ausgestattet. Insgesamt ist der Sitz natürlich enorm raumgreifend und daher bei Airlines nicht allzu beliebt. Folgende Airlines haben die Suiten in der Flotte.

  • Korean Air “Prestige Suites” (B787 in First und Business class, einige 777-300ER und A330)
  • Japan Airlines (einige 777-300ER, einige B787)
  • Oman Air (A330 und B787)
  • Gulf Air (B787)

Fazit

Obwohl die Welt der Business Class Sitze reichlich vielfältig ist, haben sich bestimmte Plattformen der großen Anbieter in den letzten Jahrzehnten als Standardsitze durchgesetzt. Das dominierende Thema unserer Zeit ist weiterhin Privatsphäre, weshalb Suite- Konzepte wie der Dauerbrenner von Qatar Airways weiterhin Hochkonjunktur haben. Wir dürfen erwartungsfroh sein, welche neuen Trends die Aviation Welt in Zukunft aufmischen werden.

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