3 Vielfliegerprogramme, die sich nicht lohnen

Neben den Vielfliegerprogrammen, die geradezu heißlaufen in der Vielfliegerszene gibt es naturgemäß auch ein paar unattraktive Ladenhüter, bei denen man seine Meilen weder gutschreiben noch einlösen sollte, weil sie dort schlicht nichts wert sind. Ich stelle euch hier drei der m.E. least valuable loyalty programs vor: Finnair Plus, Thai Royal Orchid Plus und Air New Zealand Airpoints.

Wann ist ein Vielflieger-Programm attraktiv?

Für die Attraktivität eines Vielfliegerprogramms sind drei Dinge maßgeblich: leichter Zugang zu Meilen, niedrige Kosten für Meilen und geringe Kosten für Prämienflüge.

Leichter Zugang zu Meilen

Der erleichterte Zugang zu den Meilen eines Programms hängt oft vom Standort ab. Naturgemäß ist es bei vielen Programmen leichter, Meilen zu sammeln, wenn man in dem Land lebt. Miles & More ist eben deshalb attraktiv, weil man als Deutscher Zugang zu den vielen Einlöse- und Sammelmöglichkeiten wie Payback, Zeitschriftenabos, Versicherungen, Bankkonten, Kreditkarten etc. hat. Wer nicht in Deutschland lebt, für den ist Miles & More vermutlich sehr viel unattraktiver, weil er es schwerer hat, an eine nennenswerte Zahl an Prämienmeilen zu kommen.

Damit sind wir bei dem zweiten wichtigen Aspekt leichten Zugangs zu Meilen, dem Transfer von Bonuspunkten  oder -meilen.

Beliebt ist der Transfer von American Express Rewardpunkten zu den Transferpartnern, von denen AMEX in Deutschland derzeit 12 hat. So hat man als AMEX- Kunde die Möglichkeit, aus seinen täglichen Ausgaben Rewards- Punkte zu generieren, die man dann zu seinem bevorzugten Vielfliegerprogramm transferiert, wo man sie dann für Prämienflüge einsetzen kann.

Eine weitere Transfermöglichkeit können andere Bonusprogramme wie Hotel- Loyalitätsprogramme oder die Reward- Programme von Mietwagenfirmen bieten. Lange Zeit sehr beliebt war das Starpoints- Programm der Starwood- Hotelgruppe, bei dem man lange Zeit sehr günstig so genannte Starpoints kaufen konnte, die man dann im Verhältnis 1:1 zu 44 verschiedenen Vielfliegerprogrammen transferieren konnte.

Natürlich konnte man die Starpoints auch durch Hotelaufenthalte sammeln, doch die Möglichkeit, größere Mengen für einen attraktiven Preis auf einen Schlag einkaufen zu können, hat eben die Attraktivität ausgemacht. Nach der Fusion mit Marriott scheinen die Zeiten der günstigen Preise jedenfalls vorbei zu sein.

Damit sind wir bei der dritten Möglichkeit, leichten Zugang zu Punkten zu bekommen, dem Verkauf von Prämienmeilen. Wenn ich schon nicht auf dem Heimatmarkt des Vielfliegerprogramms ansässig bin und nicht genug fliege, um damit nennenswerte Mengen an Prämienmeilen zu generieren, dann bleiben nicht mehr viele Optionen. Starpoints waren ja gerade deshalb so attraktiv, weil viele Vielfliegerprogramme ihre Bonusmeilen gar nicht oder zumindest nicht zu attraktiven Preisen verkaufen.

Viele Airlines behelfen sich mit einem Mittelweg, dem dauerhaften Verkauf zu sehr hohen Preisen von 3 bis 4 Cent pro Meile und gelegentlichen Preisaktionen, bei denen es dann Bonuspunkte gibt, so dass der Preis pro Meile auf um die 1,5 Cent sinkt.

Einige Airlines wollen aber ihr Premium- Image nicht beschädigen, indem sie ihre Rewards verramschen. Diese Airlines sind für Meilensammler und Schnäppchenjäger dann oft uninteressant, weil der Weg zur Prämie schlicht viel zu weit ist.

Niedriger Meilenpreis

Das knüpft an das eben Gesagte an. Es gibt einige Airlines, die durchaus dauerhaft Meilen zum Kauf anbieten, aber praktisch nie Sonderaktionen mit attraktiveren Preisen durchführen. Oder sie machen solche Sales, aber begrenzen die Höchstmenge auf ein uninteressantes Maximum.

Als Faustformel gilt: Ein Schnäppchen macht man bei einem Meilenpreis von unter 1,5 Cent. Wenn Meilen für drei bis vier Cent verkauft werden, kann man den Flug auch gleich regulär buchen – und bekommt dann schließlich auch noch wieder neue Prämienmeilen dafür.

In einer Gesamtstrategie kann der Kauf von Meilen zu einem höheren Preis auch mal Sinn ergeben, nämlich dann wenn es andere Optionen gibt, mit denen man Meilenpakete auch günstiger bekommt. Wenn ich 50.000 bis 100.000 Meilen durch Abos o.ä. günstig generieren kann, dann kann ich auch noch ein paar fehlende Meilen zu einem höheren Preis dazu kaufen.

Geringe Kosten für Prämienflüge

Es hilft nicht viel, wenn ich Meilen zwar günstig einkaufen kann, die Preise für die Prämienflüge dann aber jenseits von Gut und Böse sind. Wenn ich für einen Langstreckenflug in der Economy 100.000 Meilen zuzüglich Steuern und Gebühren zahlen soll, klicke ich gleich wieder weg.

Die Kosten für einen Prämienflug setzen sich – und das wird oft ignoriert – auch aus zwei Komponenten zusammen: den Prämienmeilen, die man für den Flug investieren muss und den Steuern und Gebühren, die sehr unterschiedlich hoch sein können. Viele der europäischen Vielfliegerprogramme erheben neben den Flughafensteuern und Bearbeitungsgebühren noch den so genannten fuel surcharge, also Treibstoffzuschläge, bzw. geben diesen weiter. Das erhöht die Gebühren dann schnell um ein paar Hundert Euro, so dass selbst ein niedriger Meilenpreis durch viel zu hohe Gebühren ruiniert werden kann. Typische Vertreter sind hier leider Miles & More, British Airways oder Flying Blue von Air France/KLM, aber auch die Araber geben oft fuel surcharges an die Kunden weiter.

Um die Eingangsfrage wieder aufzugreifen: Ein uninteressantes Vielfliegerprogramm bietet für in Deutschland Ansässige wenige Optionen, Meilen zu generieren, die Meilen, die man kaufen kann, sind zu teuer und die Meilenwerte, die man für Prämienflüge zahlen muss, erreichen schwindelerregende Höhen.

Um ehrlich zu sein, reicht meist schon der letzte Punkt. Wenn für Business- Class- Flüge Meilenwerte weit jenseits der 100.000- Meilen- Marke verlangt werden, ist der Drop schon gelutscht. So billig können die Meilen gar nicht sein, dass sich das noch zu einem guten Deal schönreden lässt.

The Least Valuable Loyalty Programs

Schauen wir uns anhand dieser Kriterien nun einmal meine drei Favoriten der am wenigsten werthaltigen Vielfliegerprogramme an.

Platz 3: Finair Plus

Zu den Programmen, die schlicht viel zu teuer sind, gehört ganz weit vorne Finnair Plus. Das ist deshalb überraschend, weil Finnair nun auch nicht unbedingt den Namen einer Premiummarke wie Emirates hat und deshalb eigentlich an Kundenbindung interessiert sein sollte.

In Finnland scheint man aber eher an dem Konzept der billigen Economy- Flüge festzuhalten, wobei hier die Zeiten der echten Schnäppchenflüge (zumindest in Richtung Südostasien) auch schon vorbei sind.

Finnair Plus Punkte sind zwar durch die Transferpartnerschaft mit American Express leichter zu generieren und Meilenkäufe mit 12,88 Euro pro 1000 Punkten (Maximum 70.000 Punkte pro Mitgliedschafts- Jahr) sogar noch durchaus günstig, aber die Prämienflüge sind schlicht unverschämt teuer.

Normalerweise hat jedes Programm wenigstens ein oder zwei Sweetspots, wo sich Einlösungen lohnen, aber in dem Finnair Awards Chart findet sich wirklich nichts, was mir ein Aha entlocken würde. Ich sage nur: 125.000 Punkte für einen Economy Flug nach Nordamerika oder Thailand (immerhin return…). Würde man die Meilen zu dem Kurs von 1,28 Cent pro Meile kaufen, würde man für einen Economy Flug 1600 Euro bezahlen- zuzüglich Steuern und Gebühren.

Um eine Prämieneinlösung in der Preisklasse zu bekommen, in der Economy- Flüge regulär verkauft werden (600 bis 700 Euro), bräuchte man einen Meilenpreis von 0,5 Cent! Und dann hätte man, wie gesagt, noch kein Schnäppchen gemacht sondern nur den Ladenpreis erzielt.

Besonders absurd wird der Award Chart von Finnair beim Vergleich der Preise für einen Prämienflug mit der Oneworld- Partnerairline British Airways, deren Flüge natürlich auch über Finnair zu buchen wären. Für einen Economy- Flug von London nach New York werden z.B. 132.000 Finnair- Punkte fällig, während der gleiche Flug bei British Airways 40.000 bzw. 80.000 Avios return kostet (die es regelmäßig zu einem ähnlichen Preis wie die Finnair- Punkte zu kaufen gibt).

Zwar sind die Meilengutschriften für Flüge bei Finnair höher als z.B. bei Miles & More, aber das ist am Ende eben nur ein teilweiser Inflationsausgleich.

Platz 2: Thai Airways Royal Orchid Plus

Ein weiterer Vertreter in den Charts der unattraktiven Vielfliegerprogramme ist das Royal Orchid Plus Programm von Thai Airways. Hier kommen fast alle Punkte zusammen, die ein unattraktives Loyalty- Programm ausmachen. THAI ist zwar Transferpartner bei American Express, aber nur bei der australischen Karte, was einem als Deutscher erst mal gar nichts bringt. Auch sonst gibt es außerhalb von Thailand kaum nennenswerte Möglichkeiten, Prämienmeilen für das Royal Orchid Plus-Programm zu generieren und selbst die Möglichkeiten, die es in Thailand gibt, sind kaum geeignet, schnell größere Mengen an Meilen zu generieren. Selbst Hotel- oder Mietwagen-Buchungen, die ja sonst fast immer gehen, sind hier gnadenlos unattraktiv.

Dazu sind sowohl die Meilengutschriften für Flüge recht knauserig und die Anzahl erforderlicher Meilen für Prämienflüge besonders seit der „Überarbeitung“ des Awardcharts im Oktober 2019, bei der die wenigen Sweetspots, die das Programm zu bieten hatte, gestrichen wurden, viel zu hoch. Nehmen wir mal den vermutlich für viele interessantesten Flug auf dem THAI-Flugkalender: FRA-BKK kostet im neuen Awardchart 90.000 bzw. 125.000 Meilen oneway (Business/First) für den Flug mit THAI. Fliegt man mit einer Star Alliance Partner-Airline, so gilt der deutlich verteuerte Star Alliance Awardchart und man zahlt 115.000 bzw. 160.000 Meilen oneway (Business/First).

Als kleiner Bonus oder besser Malus kommt bei THAI dann noch dazu, dass die Webseite benutzerunfreundlich ist. So ist eine konkrete Flugsuche für Prämienflüge nur mit ausreichendend gefülltem Meilenkonto möglich. Ohne Meilen kann man sich nur mit dem Kalkulator anzeigen lassen, was ein Flug generell an Meilen kostet – konkrete Verfügbarkeiten sowie Zuzahlungen bleiben unklar.

Thai Airways Royal Orchid Plus

Platz 1: Air New Zealand Airpoints

Schon mal von Air New Zealands Vielfliegerprogramm Airpoints gehört? Nein? Macht nichts, denn ihr werdet in eurem Leben vermutlich nie in den Genuss eines Prämienfluges mit Air New Zealand kommen. Das liegt allerdings interessanter Weise nicht an den Verfügbarkeiten; als Prämienflug kann nämlich jeder online verfügbare Flug in einem ANZ-Flugzeug gebucht werden. Die schlechte Nachricht: Der Preis ist dafür auch der gleiche. Das zwingt natürlich auch zur Return-Prämie, denn Oneway-Flüge sind auch bei Air New Zealand unverhältnismäßig teurer.

Die Prämienmeilen heißen bei ANZ Airpoints Dollars und ein Airpoints Dollar entspricht genau einem Neuseeland-Dollar. Ein Business Class-Flug von Singapur nach Auckland kostet return ca. 5000 NZD, also auch ungefähr 5000 Airpoints Dollar. Mit demselben Flug bezahlt sammelt ihr je nach Buchungsklasse 180 bis 240 Airpoints Dollar. Bei Mietwagenbuchungen bekommt man 3 Airpoints Dollar pro Tag. Das dauert eine Weile, bis man da einen Prämienflug zusammen hat. Air New Zealand ist wie THAI auch Transferpartner der AMEX Australien. Hilft uns in Deutschand aber eben nicht viel weiter.

Bleibt noch Marriott Bonvoy, die einstige Allzweckwaffe, als es noch Starwood war. Das Umtauschverhältnis von 200 Punkten in einen Airpoints Dollar ist auch mit dem Transferbonus on top immer noch lausig.

Das Grundproblem ist aber das System: Wenn man mit seiner Loyalty- Währung den gleichen Preis zahlt wie der reguläre Passagier, dann gelten ja auch etwa die gleichen Parameter für die Attraktivität eines Fluges. Flugpreise sind ja bekanntlich dynamisch. Wenn ich einen Flug zu einem sehr guten Preis finde, würde ich ihn dann nicht besser regulär buchen und mir meine hart ersparten Airpoints für einen teuren Flug aufsparen. Ach nein, wenn der Flug teuer ist, muss ich ja auch wieder mehr Airpoints zahlen. Da sich der Fluch eines dynamischen Preissystems hier eins zu eins abbildet, ist es unmöglich, eine gute Prämieneinlösung zu finden.

Air New Zealand

Vielfliegerprogramme, die sich nicht lohnen: Fazit

Wenn ein Vielfliegerprogramm in der Vielfliegerszene nicht gehyped wird, dann hat das einen guten Grund. Schlechte Performance lässt sich halt nicht schönreden. Auf den deutschsprachigen Blogs findet sich so gut wie gar nichts über die hier genannten Programme – mit Einschränkungen zu Finnair, die als AMEX- Transferpartner einen kleinen Vertrauensvorschuss bei einigen Blogs zu genießen scheinen. Für mich bleibt das Motto: Das Leben ist zu kurz für schlechte Vielfliegerprogamme.

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